Ohne Titel
Eitempera auf Karton 50 x 65,5 cm. 1994
United Diamond Sales
Mischtechnik und Collage auf Karton 30 x 40 cm. 1998
"A"
Eitempera auf Karton 50 x 70 cm. 1998
Daphnis und Chloe
Eitempera auf Karton 50 x 65 cm. 1998
Phantastischer Garten
Eitempera auf Karton 26,4 x 25,5 cm. 1994
Landschaft mit zwei Figuren
Eitempera auf Karton 1998
Stundenblatt mit Noten
Mischtechnik auf Karton 23, 3 x 35,2 1991
Ohne Titel
Mischtechnik auf Karton 28,8 x 41,3 cm. 1991
Ohne Titel
Tusche, Gouache auf Karton 1991
Sonnenwiege
Eitempera auf Karton 1996
Nach dem Tod meines Freundes und Galeristen Andreas Hauptmann 1989 in Hamburg, musste ich zu Beginn der 90iger Jahre erst wieder Boden unter den Füßen fassen. Dazu gehörte es auch eine neue Vertretung zu finden. Nach Gastspielen bei den Saarbrücker Galerien Neuheisel und Galerie 48 fand ich diese in der alteingesessenen Galerie Herburger.
Die Serien mit den bandagierten Akten waren für mein Gefühl ausgereizt und so veränderten sich auch die Figuren in meinen Bildern. Der große Rahmen, im Kontext mit literarischen Themen spielten aber weiter eine wichtige Rolle und trieb mich zwei Bilder-Zyklen zu schaffen.
Les fleurs du mal zu Charles Baudelaire und der alttestamentarische Joseph-Zyklus entstanden dann auch in diesen Jahren. (Beiden Zyklen sind innerhalb dieser Website eigene Seiten gewidmet.) Die nun geschaffenen Figuren gestalteten sich reduzierter , präsentierten sich schablonenhafter in ihrer manieristisch mythischen Verzerrung. Dies zeigt sich vor allem in den zwölf Tafelgemälden zum Joseph-Zyklus. Die eingesetzten Materialien veränderten sich ebenfalls. Die früher von mir noch oft verwendeten Ölfarben kamen kaum noch zum Einsatz. Als Bindemittel fand fast nur noch Eitempera Anwendung, vielfach versetzt mit gemahlenem Marmor. So konnte ich meine Farben selbst herstellen und ihre Konsistenz bestimmen. Dieses Farbsystem beeinflusste zwangsläufig auch die Charakteristik der Bildoberflächen. Sie wurden schrundiger, matter, amorpher. Nicht mehr allein der Pinsel gestaltete die Struktur. Spachteln und Radiernadeln schufen feinste graphische Auflösungen neben den malerischen Elementen.
Ohne Titel
Aquarell auf Karton 1994
Zur Musik
Tusche und Aquarell auf Karton 1994
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Die obere Bilderreihe zeigt die Entwicklung und Veränderung bei den Figuren, transportiert aus den achtziger Jahren im Vergleich mit der links abgebildeten Sonnenwiege von 1996.
Eine spannende Variante generiert die Konsistenz der Eitemperaoberflächen. Diese lässt grafische Bearbeitung zu, sodass sich Malerei und Zeichnung vereinigen.

Prometheus, der in der griechischen Mythologie den Menschen das Feuer gebracht hatte, der „Vordenker", der Titanensohn, voller Weisheit,Kunst und Stärke, hatte es gewagt, die Allwissenheit des Zeus anzuzweifeln, er hatte den Menschen aus feuchter Erde nach dem Bild der Götter geformt und seinem Werk den göttlichen Funken eingehaucht und hatte sich mit dieser Tat den Neid der Götter zugezogen. Zur Strafe wird der nackte Rebell von Zeus an die Säule der kaukasischen Berge geschmiedet, wo jeden Tag ein Adler ihm die Leber aus dem Leib reißt. Prometheus verkörpert den emporstrebenden eigenständigen, den Göttern trotzenden Menschengeist, sein Mythos steht für die Überwindung der auferlegten Strafe durch den menschlichen Geist, da schließlich Herakles mit einem Pfeil den Adler tötet und Prometheus befreit ist.

Auf der Einladungskarte zu dieser Ausstellung ist Prometheus eine Lichtgestalt, die sich nicht gegen die Fesseln wehrt und die nicht kämpft, sondern Prometheus ist sich seiner Kraft und seines Schicksals bewußt. Er schwebt gesichtslos und leuchtend in fluoreszierendem Ocker und Abstufungen von Weiß vor blauschattiertem Grund, der seine "flackernde" Lebendigkeit erhält durch eine skraffittiähnliche Ritztechnik in die blaue Fläche, wobei der Künstler mit scharfem Radiermesser den noch feuchten Malgrund bearbeitet, der mit einer karmesinroten Schicht unterlegt ist. Der so differenziert strukturierte Hintergrund - die Felsen des Kaukasus ? - erhält zusätzliche Akzente durch lasierend aufgetragenen „Schatten" in schimmerndem Weiß.

Als Leitmotiv für diese Ausstellung möchte der Künstler jedoch sein Bild „Balance" sehen. Balance möchte er mehrdeutig verstanden wissen: Das Balancieren in ein Gleichgewicht, in eine „geistige" Symmetrie, vielleicht wie sie in der Antike verstanden wurde: zusammen mit der Farbe als grundlegendes Moment der Schönheit an sich. Dieses Bild „Balance" zeigt, trotz seiner geheimnisvollen Wirkung, den vielschichtigen Schaffensprozeß des Künstlers. Zwei, vielleicht als blaue Schatten erkennbare Körper, sind fragil und schwebend zu einander in Beziehung gesetzt, umgeben von fluoreszierenden Farbschichten, die sich, neben und übereinander-
gesetzt, gegenseitig in ihrer Gewichtigkeit spannungsvoll ergänzen. Blau, Violett, Aquamarien auf perlmuttig schimmernden, mit lichtem Olivton vermischtem Weiß, sind auf schrundige Malfläche mit trockenem Pinsel gemalt. In "Balance" gehalten die Farbstrukturen mit festen dünnen Pinselstrichen miteinander verwoben. In der bereits geschilderten Ritztechnik sind zarte Linien, gewaltsam und verlet-
zend, in die noch feuchte Malfläche gekratzt, sie täuschen Stabilität vor, breiten sich in fragiler Struktur wie ein Netz über die Malfläche und halten zugleich die Farbflächen in einer Art schwebender „Balance".

Prometheus
Eitempera auf Karton 50 x 69,5 cm. 1996

Mit „Balance" meint der Künstler auch seinen Arbeitsprozeß. Er läßt das Bild entstehen, in dem er Flächen immer wieder übermalt, sie erneut zerstört oder sie in einem dialektischen Prozeß gegeneinander setzt. Fragmente vorheriger Übermalungen sind zugleich Inspirationsquelle für einen neuen „Zustand" des Bildes. Meist lösen sich Figuren wie von selbst aus dem Farbgrund, manieristisch überlängte, schattenhafte Gestalten ohne Gesicht mit verwischten Konturen, stehen sie oft statuenhaft helleuchtend vor dunklem schrundigen Grund. Diese differenziert aufgerauhte Fläche ist das Ergebnis seiner Malweise. Der Künstler verwendet Eitempera, die er aus Naturpigmenten teilweise selbst herstellt. Mineralische Pigmente, die er selbst in der Natur sammelt, in Frank-
reich z.B. Gewollt rauhe Flächen auf dem Malgrund entstehen durch den langsamen Trocknungsprozeß des Malmittels und durch die zähe und klumpige Konsistenz der selbst bereiteten Farben,

was auch seiner Ritztechnik den besonderen Reiz verleiht und der
Oberfläche der Bilder die schrundige Beschaffenheit. Die Bildidee schöpft Christoph Frisch oft aus seiner Vorliebe für literarische und mythologische Texte. So heißen seine Bilder in dieser Ausstellung u.a. „L'age d'or", „Sonnenwiege", „Stürzender Ikarus", sie folgen einem „Joseph-Zyklus" und einer Folge von Bildern nach Baudelaires „Fleurs du mal". Nicht Illustrationen zu diesen Texten will er darstellen, sondern er läßt sich leiten von der poetischen Idee. Er folgt damit der Maxime „Ut pictura poesis", nach der Malerei und Dichtung Schwestern sind, verschieden in den Mitteln, jedoch gleich im Ziel. Es ist die Erkenntnis des Gleichnischarakters aller Mythologien und ihrer Verwurzelung im poetischen „Bild" als Ausdruck menschlicher Grunderfahrungen. Die schattenhaften menschlichen Figuren in seinen Bildern sind für ihn Ausdrucksträger und zugleich bieten sie dem Betrachter die Möglichkeit der Identifikation und der Auseinandersetzung mit dem Mythos, mit der Idee. Gesichtslos und in oft strenger autistischer Isolierung, - sie sind allein, oder in nebeneinander gereihten zweier- oder dreier-Gruppenvermeidet er bewußt eine individuelle Charakterisierung seiner Figuren. Sie scheinen im Raum zu schweben, oft in immaterieller Transparenz. Die freie Malweise in breiten Pinselstruk-
turen ergeben einen hohen Grad von Abstraktion in der Formgebung.

Diese Konzentration auf den Entstehungsprozeß dieser Bilder und die Vehemenz des Farbauftrages, die beinahe physisch faßbar zu sein scheint, läßt an die Worte Chagalls denken: daß ein Kunstwerk die Energie ausstrahle, die hineingesteckt wurde. Und so ist es die kraftvolle Präsenz dieser Bilder, die uns gefangen nimmt und uns zwingt sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Erika Vogler

Text zur Ausstellungseröffnung: Balance Christoph M. Frisch, Galerie Gabriele Kriessler, Oberursel
10 Oktober 1997

Ohne Titel
Eitempera auf Karton 1999