





Unter der Himmelleiter Frischs träumt kein Jakob mehr, steigen keine Engel mehr auf und ab. Aber dennoch wird durch dieses Zitat der Zyklus mit dieser abendländischen Tradition in einen Zusammenhang, als eine ferne Replik, als langsam verblassender Mythos gebracht.
Seine eigentliche Materialität hat das Stroh in anderen Bildern eingeprägt. Wenn man es nicht weiß, ahnt man auch kaum, dass oxydierte Eisenpartikel malerische Qualitäten entwickeln. In dem Bild „Figuren des kaiserlichen Schnitzers“ auch hier wieder ein Titel, der ganze Assoziationsketten auslösen kann werden zerbröselte und verbrannte Pflanzenbestandteile zusammen mit Bindemittel wie Farben auf die Leinwand aufgebracht, verlieren ihren Charakter, erzeugen aber ganz eigene Effekte. Warme, weiche pelzig wirkende Strukturen entstehen, oxydierte Rostspuren der in die Fläche verbrachten Eisenpartikel sind zu erkennen. Die Figuren selbst bleiben schemenhaft, unbestimmt, zerbrechlich. Sie scheinen sich in einem Transformationsprozess zu befinden, in einem Übergang, Schattenwesen ein Totentanz?
Auszug aus einer Laudatio von Armin Schmitt


Die Materialbilder sind Arbeiten, die entweder ganz aus Object-trouve ein Buch, Naturreste, Papier - komponiert sind oder die solche Elemente enthalten und die dadurch die Tafelmalerei um eine plastische Qualität erweitern. Letzteres trifft auf den Himmelsleiter-Zyklus zu. Gemeinsam ist ihnen das hohe schmale, die Senkrechte betonende Format. Auf einer farblich gestalteten Fläche sind in einer langen senkrechten Reihung Grasrohrstücke geklebt. Sie sind flüchtig und hastig mit Weiß übermalt, wodurch das blasse Naturmaterial verfremdet und an Leuchtkraft gewinnt. Auch scheinen sie ohne große Sorgfalt geklebt: die Rohre sind unterschiedlich lang und bar jeder Akkuratess. Formal wachsen sie mehr oder weniger stark aus der Bildfläche heraus, gewinnen an Struktur in der Bildmitte, verlieren sich an den Rädern. Jedes Bild des Zyklus akzentuiert eine andere Qualität: Mal ist die Stabilität betont, mal der Zerfall, mal zeigt sich Kompaktheit in der Mitte der Struktur, während an den Enden Auflösungserscheinungen deutlich werden, mal scheint die Struktur in sich zusammenzufallen, oder befindet sich in einem bedenklichen Gleichgewicht. Gleichzeitig ergibt sich ein mehr oder weniger intensiver Kontrast oder Dialog mit den Farbflächen des Hintergrunds.
Die Bilder sind in erster Linie ein kontrastreiches Spiel der Formen, dem Kontrast der Reihung waagerechter Linie und der aufstrebenden Senkrechten, den Farbflächen des Hintergrunds und den „Grasrohrleitern“, deren zerbrechliche Struktur an die vielen brüchigen Figuren erinnert, denen man in vielen Arbeiten Frischs immer wieder begegnet.
