Mohngesang_Mythos_Christoph_M_Frisch_2911
Kastor_und_Polydeukes_Mythos_Christoph_M_Frisch
Phantasos_Oneiroi_Mythos_Christoph_M_FrischS_2917
Phobos_Christoph_M_Frisch_Mythos_Serie_2881S
Mythos_Serie_Oneiroi_2915
Das_Haus_der_Aexte_Mythos_Serie
Labyrinth_Mytos_Serie
Mohngesang
Mischtechnik auf Leinwand 56 x 78 cm. 2007
Phantasos
Eitempera und Marmor auf Leinwand 100 x 130 cm. 2007
Kastor und Polydeukes
Eitempera und Marmor auf Leinwand 56 x 75 cm. 2007
Phobos
Eitempera und Marmor auf Leinwand 100 x 130 cm. 2007

Schöpfte und behandelte das bekehrte Abendland in seiner damals noch jungen Kunstgeschichte fast ausschließlich Themen aus dem alten und neuen Testament, so drängte sich spätestens ab der Renaissance die Antike mit allen ihren Göttern, Helden und Fabel- wesen zwischen das Aufgebot der christlichen Bilderwelt. So gestaltete sich das Erforschen und der Erhalt neuen Wissens nicht einzig aus einer Perspektive die in die Zukunft gerichtet war. Viele Antworten wurde in einer Rückschau erzielt, die bei den nicht selten stattfindenden Angriffen von seiten des Klerus (Inquisition) auch als Verteidigungshilfe für eigene, neue Positionen dienen konnte.

Die Aufsehen erregende Wiederentdeckung von Marmorstatuen und Figurengruppen der Antike wie z. B. der des Laokoon (1506 in Rom wieder gefunden und heute im Vatikanischen Museum) und deren Wirkung auf die Kunstschaffenden der damaligen Zeit lässt sich nur erahnen. Ihre Sinnlichkeit und die bis auf den heutigen Tag ver- blüffende Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer, zerrten nachdrücklich am Gestrüpp der mit Geboten und Verboten belegten Darstellungs- vorgaben christlicher Themen.

Bei der Auseinandersetzung mit Kunstwerken deren Inhalte bisher nur in Form von Texten einem kleinen gebildeten Kreis vorbehalten waren, ergab sich nun die Möglichkeit, verstärkt Ideen zu formulieren,

die ihre Erzeuger zuvor in ernste Schwierigkeiten gebracht hätten. Denn wie schnell wurde Kritik an der gesellschaftlichen Ordnung, oder gar am Klerus selbst, mit dem Stigma der Häresie versehen.
Den Fundstücken aus der griechischen und römischen Welt war wegen ihrer ästhetischen Ausstrahlung, nur schwer der Nimbus von Heidentum und dem damit verbundenen Bösen zuzuordnen. Solche Betrachtungen ließen sich traditionell mit den alten Kulturen der nordischen Völker viel einfacher bewerkstelligen. Denn schon die Römer demonstrierten diesen gegenüber ihre Geringschätzung. Fremd zeigten sich die Riten von Germanen, Goten oder Langobarden und lagen nun im Dunkeln der Geschichte die der Zusammenbruch des römischen Imperiums hinterlassen hatte. Die kulturellen Hinterlassenschaften waren für die Zentraleuropäer mit nicht lesbaren Schriftzeichen versehen. Keinem Künstler der Renaissance wäre es wohl in den Sinn gekommen deren Mythologie in seinen Werken zu behandeln. Erkennntnisgewinn und das Streben nach immer größerer Perfektion in Darstellung und Ausdruck konnten hingegen durch das Studium antiker Kunstwerke erlangt werden. Stellvertretend sei hier Michelangelo benannt. Wie hätte sich wohl die Darstellung der menschlichen Figur bei ihm ohne seine Antikenstudien entwickelt ?
In der Vergangenheit ging es in diesen mythischen Stoffen immer um eine Götterwelt deren Protagonisten mit menschlichen und natürlich auch übermenschlichen Eigenschaften ausgestattet waren. Bei genauer Betrachtung lassen sich die handelnden Figuren meistens auch einer tatsächlichen und geschichtlich rekonstruierbaren Epoche zuordnen. Diese aus dem historischen Kontext fixierten Positionen haben sich in unseren Tagen stark verändert. Subkulturelle Aspekte fluten richtungs- aber nicht bedeutungslos munter die längst geschlossenen Hörsäle humanistischer Bildungsanstalten.

Durften in den Bildern von David die Tugenden der französischen Revolution noch in den Gewändern antiker Helden posieren, so hatte sich der Elan im ausgehenden 19. Jahrhundert ziemlich abgenutzt. Themen der Antike dienten oftmals nur noch der ansonsten tabuisierten Darstellung von Erotik. Viele Reden gespickt mit Analogien sollten wohl mehr den Bildungsstand des Vortragenden positiv beleuchten als Inhalte transportieren. Doch mit dem Abklingen des antiken Themenkanons traten im Zeitalter der Nationenbildung die nordischen Kulturen erstmals seit der Christianisierung Europas in den Fokus der Kunstschaffenden.

Oneiroi (erste Fassung)
Mischtechnik auf Karton 25 x 33 cm. 2007
Auf der Suche nach Identität versuchten sich die Geister der Klassik in einer Absetzbewegung, die Romantik war geboren. Ein evolutionärer Prozess der immer wieder die Kunstgeschichte bestimmt und in der dann die Geister einer verklärten Vergangenheit zu Zeugen der Avantgarde zitiert werden. Dichtungen wie Die Edda gelangten aus den Gelehrtenstuben in die Ateliers und Köpfe der Kunstschaffenden. Dass dabei so manche Lücke interpretiert werden musste, mag mangelhaften Wissen geschuldet sein. Die Archäologie war schließlich noch eine sehr junge Disziplin. Aber so einem kreativen Akt entspringt so manches fesselnde Kunstwerk des 19. Jahrhunderts. Allen voran sei da das Werk Richard Wagners als Beispiel eines gelungenen Experiments benannt.

Noch einmal wurde die Mythenwelt der nor- dischen Völker unter den Nationalsozialisten bemüht. Hier diente sie freilich der obskuren Beweisführung einer frei erfundenen Rassenlehre (Mythus im 20.Jahrhundert/ Rosenberg). Viele deutsche Künstler schlossen sich diesen kruden Theorien an und schufen unter dem mytho- logischen Deckmantel einen sinnentleerten Brei aus antiken und nordischen Elementen. (u.a. Joseph Thorak, Arno Breker)

Heute beobachten wir wieder ein Amalgam aus althergebrachten und neueren Elementen jenseits einer strengen Fixierung auf historische Authentizität. Durfte sich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Vertreter der psychedelischen Generation noch durch das tolkiensche Mythenlabor lesen, so hat sich spätestens mit dem Voranschreiten der Computertechnik der Hörsaal der Vergangenheit in einen Kinosaal verwandelt. Das Bedürfnis auf mythische Stoffe zuzugreifen blieb vorhanden. Die Lücken die das verblassende christliche Gedankengut hinterlassen hat, wird mehr und mehr mit Versatzstücken solcher Themen ausgefüllt. Dabei ist die Zahl der Interessierten, die auch nicht mehr einer spezifischen gesellschaftlichen Gruppe zuzuordnen sind, größer denn je.
Die Unterhaltungsindustrie auf ihrer Suche nach Themen bedient sich ohne Berührungsängste und lässt in Computerspielen und Kinofilmen (Der Herr der Ringe; Troja), ebenso wie in der phantastischen Literatur (Dan Simmons), mythische Welten wiedererstehen.
Labyrinth
Eitempera und Marmor auf fünf Leinwänden. 90 x 24 cm. 2005
Aber natürlich gibt es auch heute die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Mythos innerhalb der Künste.
Einen Bilderzyklus zu beginnen, wie er auf diesen Seiten abgebildet ist, heißt den Schleif- und Schlammstrukturen eines ehemaligen Flussbettes nachzuspüren. Der Künstler drängt nach seinen Gründen, begibt sich zu geheimen Plätzen und legt die verwitterten Schriftzeichen an einst überfluteten Mauern frei. Sie sind alle mit dem Attribut versehen grundlegend urtümliche Stoffe zu benennen.
Im Mythos wird Wissen durch Erzählung übermittelt. Seine Transformation zum Bild erschafft eine sprach- bzw. wortlose Ebene die, ist sie nicht gerade als Illustration angelegt, ihre Lesbarkeit unter Umständen gänzlich verloren hat und sich oft nur anhand des hinterlegten Bildtitels zuordnen lässt. Doch auch mit dieser Vorgabe birgt das Wissen um die mythologische Vorlage nur einen Aspekt von vielen Betrachtungs- möglichkeiten. Dass dabei Grosses geschaffen wurde sehen wir z.B. im Werk Anselm Kiefers und natürlich, neben vielen vielen anderen Künstlern, auch in den Arbeiten eines Joseph Beuys.
Das Haus der Äxte
Eitempera und Marmor auf Leinwand. 100 x 130 cm. 2006
Bei der Auseinandersetzung mit dem Mythos nutzen die Künstler das Gerüst eines großen Rahmens innerhalb dessen sie ihre Schöpfungen wachsen lassen können und deren Ausmaße sie selbst bestimmen. Es hat einen besondereren Reiz sich dem nahezu zeitlosen Klang mythischer Erzählungen zu nähern. Diese erfahren deshalb auch immer wieder neue Interpretationen. Ihre nun miteinander vergleichbaren Umsetzungen in den schreibenden, darstellenden und bildenden Künsten, zeigen uns menschliche Kulturgeschichte in ihrer lebendigen Entwicklung.
Vita

Auf der Suche nach dem Mythos

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