



Seit der Zeit der Brüder van Eyck (15.Jahrhundert) versetzt man das Vollei mit Ölen und Harzen, um den Pigmenten mehr Tiefe und Sättigung zu verleihen. Die Stabilität und Alterungsbeständigkeit solcher Bildoberflächen ist wesentlich höher, als z.B. bei reinen Ölmalereien.
Dieses Bindemittel für meine Farben stelle ich selbst her. Die Auswahl der Pigmente und die Struktur der Flächen mit grobem Material, wie z.B gemahlenem Marmor, sind ein wichtiger Faktor beim Entstehen der Bilder.
"Durch verschiedene Schichten von eigens angerührter Eitempera, die vom spröden Charakter matt und stumpf auftrocknet, ähnlich der Frescomalerei, bildet sich die Figur heraus. Angetrocknete Untergründe bekommen einen weiteren Überzug. Vereinzelt abgesprengte Farbstellen lassen den Untergrund neu definiert durchscheinen. Das Ergebnis ist nicht vorhersehbar.
Die Verbindung von Techniken aus Malerei und Grafik ermöglichen dem erwünschten Schöpfungsvorgang variantenreiche Resultate. Eitempera, Aquatinta, Aquarell, wiederholt aufgetragen, wieder verwischt oder mit dem Schwamm abgewischt ergeben Strukturen, die nur bedingt gesteuert werden können. Die Oberfläche der Bilder werden mit Pinsel und Radiernadel bearbeitet. Der Aufbau der Schichten entscheidet, was Unter- und Hinter- gründe später freigeben werden. Strukturen werden gefunden, wieder verworfen, neu gesucht.
Immer wiederkehrende Formeln werden dann langsam zum Alphabet."
Gabrielle Kriessler, Kunsthistorikerin
Auszug aus der Laudatio zu der Ausstellung "Verschwiegenheit der Spiegel" in der Galerie Leonardis, Oberusel . 2001


